Zeitzeugengespräch mit Horst Selbiger

von Daniela Klein

„Fragt uns, wir sind die Letzten! Wenn wir nicht mehr sind, ist alles nur noch papierne Geschichte.“

Dieser Tage konnten die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an der Karl-Weigand-Schule gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern sowie dem Bürgermeister der Stadt Florstadt, Herbert Unger, in ihrer Mitte Horst Selbiger begrüßen. Horst Selbiger ist einer der wenigen Menschen, die noch aus eigenem Erleben über die Zeit des Nationalsozialismus erzählen können.

Im Rahmen eines Gespräches mit Bettina Leder wurden die Jugendlichen mit auf eine Zeitreise genommen. Sie erfuhren, wie der Sohn eines jüdischen Zahntechnikers und einer christlichen Frau seine Kindheit erlebte. Von der Einschulung in die schon gleichgeschaltete Schule, dem Umgang der bisherigen Spielkameraden mit ihm in der Klasse, dem Erleben der Reichskristallnacht, der Unterbringung im Judenhaus, der ersten großen Liebe bis zur auferlegten Zwangsarbeit – Horst Selbiger erzählte aus seiner ganz persönlichen Perspektive und schilderte dabei auch die Gefühle, die er als Kind und Jugendlicher damals hatte. Immer wieder las er dabei aus seinem Buch „Verfemt, verfolgt, verraten“ vor.

Die Jugendlichen konnten so einen völlig neuen Zugang zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust bekommen, denn das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Liebe brauchen Kinder und Jugendliche zu allen Zeiten, damals wie auch heute. Am Ende des Gespräches gab es die Gelegenheit Fragen zu stellen, welche von den Schülerinnen und Schülern gut genutzt wurde. Mit einem kleinen Geschenk bedankte sich die Konrektorin Birgit Kirsten bei Horst Selbiger und Bettina Leder für das interessante Gespräch sowie bei Uwe Hartwig von der Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V. für die Vermittlung.

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